Willkommen in der Hochsaison und im Dschungel :-) Die letzten Tage waren anstrengend, herausfordernd, schön und spannend, um nur einige Worte zu finden. Die Situation hat sich quasi im Moment von
einem auf den anderen Tag komplett gewandelt. Wie bereits beschrieben, war die Saison bisher herausfordernd um nicht zu sagen schwer für mich. Am Sonntag mussten wir tatsächlich im Hafen bleiben,
da wir keine Buchungen hatten. Und wer würde da nicht an sich selber zweifeln, wenn es Hauptsaison ist und man schlichtweg keine Gäste hat? Nun, es half alles nichts, ich stand somit am Sonntag
den ganzen Tag und Abend im Hafen und habe quasi versucht das Beste daraus zu machen. An diesem Tag war es allerdings sehr ruhig und ich hatte mir deutlich mehr Buchungen erwartet. Ok, man muss
auch mal mit "wenig" zufrieden sein und das Boot war zumindest etwas mehr als halb voll gebucht für Montag.
Kleine Information am Rande: ich bekomme keine Provision, sondern beziehe ein Festgehalt. Dementsprechend könnte es mir egal sein, aber so bin ich eben nicht. Ich bin absolut überzeugt von dem,
was ich da tue.
Nun - Montag hatten wir so starken Wind, dass wir nicht fahren durften und selbst mit Erlaubnis wären wir nicht gefahren. Das hieß für mich den zweiten Tag in Folge gute 10-11 h am Hafen arbeiten
(die Zeit von daheim mit Internet-Anfragen etc. nicht eingerechnet). Hinzu kam, dass an diesem Tag im Hafen aufgrund des Windes viele Menschen waren, die dann doch auch wirklich mal interessiert
an Bootstouren waren. Das ist schön, bedeutet aber auch viel Arbeit. Nun, wir waren denn dann gut gebucht für die nächsten Tage. Und was passiert? Das Wetter mochte uns nicht und wir mussten
Dienstag ebenfalls im Hafen bleiben. Der nächste Tag mit vielen Stunden in der Sonne und Hitze. Wir waren bereits am frühen Abend für die nächsten Tage ausgebucht. Aufgrund der Verschiebungen
waren wir somit Mittwoch sehr gut gebucht und ich bin daher mit auf Tour gefahren. Sprich ich war gute 15 h auf meinen Beinen. Klar gibt es Verschnaufpausen zwischendrin. Aber nach den drei Tagen
vorher war ich bereits so müde, dass ich wahrscheinlich sofort eingeschlafen wäre, wenn ich mich einfach mal 15 Minuten sitzenderweise irgendwo auf dem Boot entspannt hätte. Somit war ich auch
den ganzen Tag auf den Beinen. Nach der Tour eine Stunde heim - kurze Dusche, eine Tasse Kaffee, fix Mails etc. gecheckt und beantwortet und zurück zur Arbeit. Alles in Allem wusste ich: morgen
kannst Du tagsüber entspannen. Und ich bewundere wirklich die Menschen, die diese Doppelschichten die ganze Saison durchhalten (davon gibt es genug). Die Tage jetzt waren wirklich sehr
anstrengend, vor allem körperlich. Ich bin heute früh aus dem Bett gekrochen - es tat alles weh. Dann kam mir der Gedanke, ich bewege mich gerade wie eine 80-Jährige. Diesen Gedanken habe ich
dann fix revidiert auf: ich bewege mich gerade wie eine 110-Jährige. Ich kenne genug Menschen mit 80, die immer noch agiler sind, als ich es heute früh war.
Wer den Text jetzt bis hierhin gelesen hat: nein, ich möchte mich nicht beschweren oder jammern. Mir geht es gut. Ich bin platt. Aber ich bin auch zufrieden und glücklich. Es ist meine Wahl, hier
zu sein und diesen Job zu machen. Und für mich persönlich ist es bisher nach wie vor die richtige Wahl. Ich fühle mich hier zu Hause und ich wusste immer, dass auch hier nicht alles Gold ist, was
glänzt. Ich persönlich liebe Herausforderungen, auch wenn es manchmal hart ist. Das Gefühl es dann doch geschafft zu haben, ist einfach schön.
Mir ist es jedoch wichtig, die Tatsachen zu beschreiben und nicht eben nur mit der "rosa Brille". Wer sich entscheidet auf einer Insel im Süden (wo auch immer) im Tourismus zu arbeiten, der muss
sich auf harte Arbeit einstellen. Ich weiß jetzt noch mehr, warum mir vor 2 Jahren schlichtweg fast alle Einheimischen davon abgeraten hatten, nach Kos zu kommen, um zu arbeiten. Mir war es
damals schon klar, aber ich verstehe die Warnungen jetzt noch besser, da ich inzwischen selber genauso rede. Ich fühle mich hier wohl, liebe die Herausforderung und genieße die kleinen speziellen
Momente = quality time.
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